Forschungsbereich "Transkulturelle Bewegungsforschung"

im Fachbereich "Bewegungswissenschaft" der Fakultät "Erziehungswissenschaft, Psychologie und Bewegungswissenschaft" der Universität Hamburg

Leitung: Prof. Dr. Horst Tiwald

 


In der Selbsterkenntnis des einzelnen Menschen sowie der Kulturen geht es darum, durch Begegnen mit dem Anderen im "bekannten Eigenen" das Fremde und im "fremden Anderen" das Bekannte zu entdecken. Dies trifft allerdings nicht erst auf das Begegnen von Kulturen, sondern bereits auf das Begegnen von Menschen mit unterschiedlicher Lebenswelt, zum Beispiel mit Behinderten zu. Mit diesem Verständnis habe ich im Jahre 1983, nachdem meine transdisziplinäre Forschungsarbeit etwas Gestalt annahm, mit meiner Schrift "Budo-Tennis" die Herausgabe der Publikationsreihe "Budo und transkulturelle Bewegungsforschung" begonnen.

Die transkulturelle Forschungsarbeit zielt auf das konkrete und leibhaftige Erfassen des transkulturell Gemeinsamen. Es geht dabei um das Öffnen zum Anderen und um das gründ-liche Einlassen mit dem Anderen. Ein exemplarisches Begegnen mit der anderen Kultur, bzw. mit dem anderen Menschen, soll dadurch vorerst zu einer gründlichen gemacht werden.

Der Schwerpunkt liegt in diesem Forschungsbereich daher nicht auf dem kulturhistorischen Sammeln der bewegungskulturellen Vielfalt. Er befaßt sich daher auch nicht schwerpunktmäßig mit dem wissenschaftlichen Erfassen des jeweils kulturell Eigenen und Typischen.

Die transkulturelle Bewegungsarbeit dient aber letztlich doch immer dem Vertiefen in das kulturell Eigene. Dies geschieht eben durch gründliches Begegnen mit dem Anderen. Anliegen dieser Forschung ist es daher, auch der Frage nach der Art und Weise dieser Gründlichkeit und des WEGes zu einer gründlichen Begegnung nachzugehen.


Forschungsaktivitäten:

 

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Promotions-Projekt:
Umgang mit Schwerkraft

Über den menschliche Umgang mit der Schwerkraft - praktisches Begegnen mit der Lebenswelt von Blinden und Sehbehinderten.
Leitung: Diplom Sportwissenschaftler Vitali Mordvintsev

To be or not ... In der Mitte des Projekts steht die Integration. Der Wort integrieren kommt von integer - unversehrt, unberührt, unbefangen, unbescholten, und des weiteren von tangere (tactum) - berühren. Dementsprechend geht es im Prozess der Integration vor allem um ein Wiederherstellen eines unberührten Zustandes – um ein leichtes, unbefangenes und freies Bewegen.

Die Zielgruppen des Projekts sind:
einerseits die sehbehinderten und die blinden Menschen, deren schmerzhaften Erfahrungen oft zu Bewegungs- und Raumängsten führen, welche ihren Bewegungsdrang und ihre Bewegungsimpulse hemmen;
anderseits die durch das Sehen behinderten Menschen. Das sind mehr oder weniger alle sehenden Menschen, die daran gewöhnt sind, ihren visuellen Sinn zu missbrauchen und dementsprechend alle anderen Sinne verkümmern zu lassen, vor allem ihren Bewegungssinn.

Im Projekt wird nach Möglichkeiten gesucht, die blindgerechten Räume zu schaffen

wo man leicht die Orientierung gewinnen kann (z. B. durch tastbaren Bodenbeläge),
wo die Gefahr des Zusammenstoßens mit harten oder spitzen Gegenständen minimiert wird,
wo die eigenartigen Blindspiel- und Aufgabenfelder sich auch von blinden Mitspielern leicht und schnell aufbauen lassen,
und wo der Bewegungsdrang möglichst ungehindert ausgelebt werden kann.

Es wird auch nach verschiedenen Aufgaben und Spielen (darunter auch die Blindvarianten von bekannten Spielen wie Fußball, Basketball, Volleyball u.a.) geforscht,
die viel Freude und Spaß bereiten,
die vielseitiges Bewegens fördern,
die leicht und verständlich sind,
die für ein ungestörtes Verlaufen möglichst wenig Hilfe von Außen oder von Sehen-Könnenden benötigen.

Im Unterschied zur anderen Projekten,
wie z. B. Dialog im Dunkeln (Hamburg) oder Unsicht-bar (Köln & Berlin) liegt in diesem Projekt der Schwerpunkt auf dem Fördern der Handlungsfähigkeit in einem unsichtbarem Geschehen. Die Fähigkeit in dieser Situation handeln zu können erfordert eine gründliche Auseinandersetzung mit den gewöhnten Art der Orientierung im Raum und mit eigenem Bewegen. Es erfordert eine gründliche Begegnung mit dem entfremdeten Eigenen.

Das Projekt ist bei der Torballsektion des FC Sankt-Pauli angesiedelt. Kontakt unter mordvintsev@web.de.